Archive for Oktober, 2008

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An der Wursttheke

[Foto:erix! (cc)]

Wer Marcel Reich-Ranicki zu deutschen Fernsehproduktionen befragt, verwechselt die Fleischtheke mit dem Tofuwürstchenregal im Biomarkt. Und wer Reich-Ranicki um konkrete Hilfe bei der TV-Programmplanung bittet, wird im Vorabendprogramm bald Opern zeigen.1

Marcel Reich-Ranicki bedient höhere, andere Ansprüche, ihn sollte man nicht mit Atze Schröder2 konfrontieren. Er ist nicht Mann des Volkes sonder der “Kultur und Bildung”.

Breitenfernsehen will aber nicht bilden sondern informieren und unterhalten. Aufgrund einer unglücklichen Verkettung von Ereignissen glaubt man zur Zeit jedoch, man müsse hierfür einen alten Mann, dessen Fernsehkarriere sich auf Buchbesprechungen stützt, um Erlaubnis fragen. Nun ist der als hauptberuflicher Kritiker zwar dafür zuständig, Fehler aufzuzeigen; das sollte er aber vorzugsweise in seinem Fachbereich tun – woanders bleibt es nur ein nett gemeinter Versuch.

Ich würde daher lieber Vicco von Bülow3 neben Gottschalk sitzen sehen4. Wobei der wohl nur wenig mehr beisteuern könnte, als ein Themenabend mit seinen Loriot I-VI5, die für sich alleine schon genug Verachtung gegenüber deutscher (Fernseh-)kultur enthalten, um damit eine ganze Staffel solcher inszenierter TV-Kritik füllen zu können.

Man sollte sich nicht täuschen lassen: Reich-Ranicki ist nicht “besser” als diese ganzen Medienmenschen, er bedient nur einen ganz anderen Markt – und diesen sehr gut – nämlich den Kulturbetrieb. Dieses abstrakte Ding “Kultur” lässt sich, um den Tofuvergleich erneut zu bemühen, nun zwar in alle möglichen Genreformen pressen, der unvermeidliche ausgestreckte Deutschlehrerzeigefinger6 wird sich aber nie völlig vor dem Zuschauer verbergen lassen. Und der will auch überhaupt nicht belehrt werden; ein Programm, das nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, würde ihm wahrscheinlich schon reichen – so etwas bekommt er aber nicht geboten.

Was wir vor uns haben, ist ein Publikum, das – der Putenwienerwürstchen überdrüssig – nach Salami verlangt.  Mit fragendem Blick wird ihm eine Tofuwurst hingehalten. Niemand darf sich da wundern, wenn es nun weiter Wiener kauft.

  1. Ohne Seife.
  2. Dessen “Alles Atze!”, da oute ich mich jetzt, lange nicht so schlecht ist, wie es in TV-Zusammenschnitten rüberkommt und seinen Erfolg sicherlich auch einem (neben all den Flachheiten) handwerklich sauberen Unterbau verdankt.
  3. Wenn man Polyluxbeiträge anders betont, wird übrigens klar, dass sämtliche Folgen von IHm geschrieben wurden. Womit auch geklärt wäre, was Loriot die letzten 10 Jahre getrieben hat: Was wir alle für ein grob misslungenes Szenemagazin hielten, ist Berlin mit Augen eines bald 85jährigen besehen. So verstanden macht Polylux dann sogar Spaß.
  4. Die Voraussetzunge “Hohes Alter” und “Schon länger nicht mehr in der Röhre gesehen worden” erfüllt er ja ebenfalls. Meines Wissens hat er sich aber bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises 2007 besser benommen.
  5. Was wohl so ziemlich den Raum ausmachen dürfte, den Reich-Ranicki “Comedy” und Artverwandtem einräumen würde
  6. Wie bei gewürztem Formtofu, der auch immer nur “fast wie Fleisch” schmeckt

The Reckoner is coming.

Von James Houston geistert ja schon einige Monate lang der großartige Remix von Radioheads “Nude” durch das Netz. Jetzt haben Radiohead einen neuen Remix-Contest ausgerufen – und James Houston ist wieder mit dabei. Seine Version von Reckoner ist noch nicht fertig, einen Teaser gibt es aber bereits bei Vimeo zu sehen:

[DirektTeaser]
[James Houston bei Vimeo]

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