Archive for August, 2008

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DIY-Muxtape: Opentape

Das Setting

Am Anfang stand Muxtape, ein Dienst, der es dem Nutzer erlaubte, eigene MP3s zu einem digitalen Mixtape zusammenschnüren zu lassen. Nur eine bestimmte Anzahl von Songs; auch die Datei- und somit die Songlänge waren begrenzt. Näher konnte man der liebevoll zusammengestellten Musik-Kassette im Web 2.0 nicht kommen. Die Songs wurden dann auf einer angenehm minimalistisch gestalteten Playlistseite bereitgestellt und auf Klick abgespielt. Nicht nur freie Musik ließe sich damit wundebar zusammenschnüren, auch aufstrebende Bands konnten auf Muxtape ihre virtuellen EPs einstellen.

Da das Web 2.0 aber eine andere Vorstellung von Verwertungsrechten und Copyright hat, kam es irgendwann zu voraussehbaren Auseinandersetzungen zwischen Muxtape und der RIAA. Muxtape ist daher zur Zeit abgeschaltet.

Die Initiative

Das hinderte die Opensource-Gemeinschaft aber nicht daran, eine eigene Fassung der Muxtape-Idee zu basteln: Unter opentape.fm findet sich ein System, das es jedem ermöglicht, eine eigene Muxtape-Oberfläche aufzusetzen.

Benötigt wird lediglich ein Webserver, vorzugsweise Apache, mit PHP 5. Nach dem Upload der opentape-Dateien müssen nur noch ein paar Verzeichnisrechte und ein Administratorpasswort gesetzt werden und schon können über eine Weboberfläche MP3-Dateien hochgeladen, oder einfach händisch in ein entsprechendes Verzeichnis geschoben werden.

Opentape liegt zur Zeit in Version 0.1 vor, alle Muxtape-Features kann man also nicht erwarten, insbesondere die Tastatursteuerung vermisse ich noch.  Im Forum des Projekts zeigt man sich aber den meisten Verbesserungsvorschlägen gegenüber offen und bastelt auch mal gerne Codeschnippsel für individuelle Probleme So lässt sich das eigene Opentape neben der bewährten Weboberfläche auch als Flashobjekt unkompliziert in die eigene Seite einbinden, so dass sich jede Dorfband ohne Probleme ein eigenes Myspace zimmern kann.

Das Fazit

Mit Opentape lässt sich mit wenigen Schritten ein DIY-Muxtape einrichten. Content-Produzenten, die gerne teilen, wird dies freuen. Den Rest der Musikblogszene wahrscheinlich ebenfalls. Nicht zu vergessen: Die Möglichkeit mit einem Webserver die internettauglichen “Turntables” der nächsten öden Party zu stürmen – das hat einen Nerdfaktor, dem sich wirklich niemand entziehen kann.

[Opentape]

[Muxtape]

[Wikipedia über Muxtape]

Seltsame Fische

Wohl nach dem Radiohead-Song benannt zeichnet Jamaica Dyer unter dem Titel “Weird Fishes” im Wochentakt Seiten eines ziemlich großartigen Webcomics.

Die Handlung ist bisher nicht klar auszumachen und auch der Stil von Zeichnungen und Koloration wechselte über die Wochen einige Male. Wunderschön sieht es trotzdem aus, und der Untertitel “A comic about childhood, fantasies, cigarettes, heartbreak, hookie, and monsters” stimmt auch.

[Weird Fishes]

Frisch aus der Videothek: Free Rainer

Heute habe ich mir endlich “Free Rainer” angesehen. Als er damals im Kino lief, hatte ich erst ein wenig Angst reinzugehen, denn die eindimensionale Systemkritisiererei von “Die fetten Jahre sind vorbei” ging mir ja schon ziemlich auf die Nerven. Aber gut: Bleibtreu spielt mit, viel sympathischer und fähiger geht es im deutschen Film eigentlich nicht. Als ich mich dann also doch zu einem Besuch aufraffen konnte, wurde der Film hier bereits in keinem Kino mehr gezeigt. Diese Tage schlug er dann endlich in der Videothek auf.

Die Handlung ist recht schnell umrissen: Trash-TV-Produzent Rainer, steht koksbefüllt mit beiden Beinen auf dem Gas und behandelt nasenblutend und dauerberauscht seine gesamte Umgebung wie Dreck. Ein gutsituierter schlechtgelaunter Raoul Duke, der mit dem Baseballschläger auf dem Beifahrersitz sogar einer Bande Skinheads klarmacht, dass auch der Straßenverkehr nach seinen Regeln abzulaufen hat. Rainer ist also eine spaßige, kaputte Type, und seine Eskapaden in der überdrehten Medienwelt hätten alleine vielleicht schon einen ganzen Film füllen können. Leider hat Rainer dann irgendwann recht bald ein Erweckungserlebnis: Weil einem Mädchen aufgrund Rainers reißerischen Sendeformate der geliebte Opa genommen wurde, beschließt er (nach einer moralinsauren Traumsequenz), dem Unterschichtenfernsehen den Kampf anzusagen. Schuld an allem ist der Zwang zu guten Einschaltquoten, die – so die Annahme des Films – nur von schlechten Sendeformaten erreicht werden können, “weil die Leute sich an sowas gewöhnt haben”. Also rotten Rainer und das Mädchen, das für den Kuschelfaktor ein wenig wie Natalie Portman wirken soll und vom Skript den schon sehr gewollten Namen “Pega” bekommen hat, die “echte Unterschicht”, also verzweifelte Arbeitslose zusammen um das Einschaltquotensystem zu manipulieren. Dabei machen die Arbeitslosen dann so unangenehme stereotype Dinge wie: Alkoholisiert schwere Verkehrsunfälle Verursachen, beim Vorstellungsgespräch Lügen, oder einen kleinen Unfall als Vorwand Nutzen, nicht mehr weiterzuarbeiten. Das wird dann aber alles nicht nur verziehen, sondern das Verzeihen sogar zur Pflicht erklärt, weil wir ja alle Menschen sind. Und am Ende geht natürlich alles gut aus, ohne dass jemand mal fragt, ob es OK ist, der Zuschauerschaft die eigene Vorstellung von Qualitätsfernsehen aufzuzwängen.

Die Geschichte ist also nicht allzu durchdacht - aber man hätte zumindest einen unterhaltsamen Film daraus machen können. Doch immer wenn man denkt, die Story käme jetzt ins Rollen, verzetteln sich die Macher entweder in einer halbherzigen Nebenhandlung oder zeigen stimmungsvolle Videocollagen. Der Film bläht sich damit auf über zwei Stunden auf, obwohl er verlustfrei auch in 90 Minuten abgehandelt werden könnte. Das fühlt sich dann in etwa so an:

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p style=”text-align: center;”> Direktspannungsbogen

Die Rezensionen sind durchwachsen. Sicher kann man klatschen und sich freuen, “dass es da mal einer den Unterschichtenfernsehproduzenten zeigt” – aber Kritik an solchen Sendeformaten bringt ungefähr genausoviel Neuerkenntnis wie die Feststellung, dass der Nationalsozialismus eine unerträglich grässliche Sache war, nämlich keine. Denn solchen Aussagen wird jeder denkende Mensch zustimmen – und die übrigen, das stellt auch Rainer im Film fest, wollen das sowieso nicht hören.

Also gut: Der Film hat deutliche Längen und die Geschichte ist ziemlich dünn. Aber deswegen muss man ihn ja noch nicht aufgeben. Nein? Doch.

Denn alle außer Bleibtreu geben ihren Text so lustlos von sich, dass man meinen könnte, man hätte es mit einer Filmstudentenproduktion zu tun, die sich keine ausgebildeten Schauspieler leisten kann und auf Laien zurückgreifen muss. Auch die Optik sieht danach aus – jetzt gehörte die nervige Wackelkamera bei “Die fetten Jahre sind vorbei” ja noch zum äh Feeling des Films. Hier wackelt es zwar nicht ganz so schlimm, dafür bietet kaum eine Szene nennenswerten optischen Reiz. Eine Welt ohne Unterschichtenfernsehen, die so monoton und grau ist, motiviert eher zum Ein- als zum Ausschalten. Hiergegen helfen auch nicht viel zu lange Einstellungen von Berlin-Mitte-Vätern, die nach dem Sturz des Trash-TV und umgeben von begeistert bücherlesenden jungen Leuten, mit ihren Kindern im Park spielen.

Fazit: Free Rainer ist eine verpasste Gelegenheit. Weder Drehbuch, noch Produktion, noch Schauspieler funktionieren wirklich und auch Bleibtreu kann das nicht mehr retten. Die wirklich schwer zu ertragenden Längen des Films hätte man mit satirischen Einblicken in die TrashTV-Welt füllen müssen, die wird aber lieber als eindimensionaler Bösewicht dargestellt. Schade.

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