StudiVZ, Holtzbrinck und das Web 2.0
Philipp hat mich auf folgende zwei Videos und ihre Rezeption im Web 2.0 aufmerksam gemacht: Hier und Hier.
Von einer Werbeagentur namens Aimaq Rapp Stolle wurden diese Clips entworfen, in denen ein Trupp englischsprachiger junger Männer beliebte StudiVZ-Gruppennamen auslebt. Da werden zum Beispiel Vegetarier an Schweine verfüttert (“Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg”) oder die Strapazen bei der Entführung eines beleibten blonden Mädchens gezeigt (“Dicke Kinder sind schwerer zu kidnappen”).
Snuff-Film-Marketing? Der Sinn des Ganzen war mir zunächst nicht klar. Anstößige Szenen zu Werbezwecken zu zeigen, damit hatte Benetton sich doch schonmal das Image angekratzt. An sich also nicht originell.
Der große hässliche Balken (das gesamte Video ist nicht sehr äh ‘stylisch’ produziert), der darauf hinweist, dass das gesamte Projekt inzwischen von Holtzbrinck getragen wird, klärt die Sache ein wenig. Denn viele Leute haben das StudiVZ nicht sonderlich gerne. Da wird netzweit über Videos der Gründer gelästert. Zugriffsmöglichkeiten auf gehostete Bilder wurden zur Sicherheitslücke hochgebauscht. Und seitdem ein großer Geldgeber das Projekt übernommen hat, darf man sowieso kein gutes Wort mehr über den Laden verlieren.
‘Bevor andere Menschen uns in schlechtes Licht rücken, tun wir das lieber selber!’, sagte man sich da wohl in der VZ-Marketingabteilung. Und im Grunde sagen die Clips ja auch nichts über das Unternehmen aus: Hier wird von Usern eingespeister Content verbildlicht, ein Bezug zur Plattform besteht im Grunde nicht. Das mag zwar nicht sonderlich originell oder amüsant sein, ich, der ich bisher aber noch über die meisten Fäkalwitze lachen konnte, stoße mich nicht daran.
Das StudiVZ ist eine Kommunikationsplattform, die für mich sehr gut funktioniert. Ob sie nun von netten geschmackvollen Menschen betrieben wird, oder eben von menschenverachtenden Monstren, ist mir dabei relativ gleich. An manchen Tagen (insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr) kann ich Menschenverachtung gut nachvollziehen.
Bei der Hysterie, die sich um das Thema breit macht, musste ich an einen der letzten Einträge in Scott Adams Dilbert Blog denken. Er beschäftigt sich dort mit einem engagierten Atheisten, dem Adams Beitrag zu Pascals Wette wohl nicht gefallen hat. Adams schrieb einen längeren Text, der den Kameraden noch weiter reizen sollte und schloss mit den Worten ‘Tanz, Äffchen, tanz!’. Das tat der dann auch. Wer sich in der StudiVZ-Angelegenheit ähnlich verhält, hat wohl ebenfalls zuviel Energie übrig.
[Leider entfernt man schon wieder überall aus Furcht vor rechtlichen Problemen die Videos, auch die zwei Clips weiter oben sind bereits davon betroffen, mit etwas Google-Geschick findet man sie sicherlich noch irgendwo...]
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