Archive for August, 2007

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Elfuhrlichkeiten

Von Stephen Fry kam ich über den Brillenbär zu Paddington Bär. Paddington war in irgendeiner Form wohl in meiner Kindheit präsent, aber nie so wirklich stark, ich kann mich eigentlich nur an einen Bären mit Hut erinnern, was es genau mit ihm auf sich hatte, habe ich wohl vergessen. Bei meiner Recherche auf der leider etwas spärlichen offiziellen Seite des Bären fand ich das wunderbare Wort Elevenses.

Die Wikipedia kennt es nur in ihrer Englischen Fassung und es muss auch etwas sehr Englisches sein, denn dieses Land ist ja dafür bekannt, Nahrungseinnahmezeremonien nach der entsprechenden Uhrzeit zu benennen. Elevenses wird von LEO als ‘zweites Frühstück’ übersetzt – aber das wird dem Vorgang nicht wirklich gerecht.

Der Deutsche, der ja an sich keine standardisierten Essenszeiten kennt, vertilgt zum zweiten Frühstück ja, was ihm über den Weg läuft – Gabeln oder auch Weißwürste. Dieser Verwechslung mit dem ordinären Brunch wollen die Elevenses vorbeugen: Es ist der kleine Bruder des Fünfuhrtees, man reicht ein warmes Getränk (bei Bären vorzugsweise Kakao, zivilisierte Menschen neigen zu Tee) und ein kleines Kuchenstück. Man verkleistert sich also um 11h den Magen, um das Mittagessen auf eine zivilisierte Zeitspanne weit nach 12h zu verschieben. Dann hat man es auch nicht mehr so lange bis zum Tee.

Doch damit nicht genug. Der traditionelle englische Lebenswandel setzt auf ständige Kalorienzufuhr. Genauso unbekannt und nicht einmal unter Deckmantel bei uns praktiziert ist das Tiffin. Dies ist der offizielle Begriff für die Kleinigkeiten, die man sich inoffiziell tagsüber außer der Reihe genehmigt. Bei uns nennt man dies Gefräßigkeit.

Mag man über die britische Küche sagen, was man will: Der Brite schlägt sich auf jeden Fall mit weniger Schuldgefühlen den Bauch voll.

Awake is the new sleep

Phil hat mir ein Schlafstöckchen zugeworfen. Darf man soetwas überhaupt nachmittags bearbeiten? Sicher gehört es sich eher, mitten in der Nacht im monitorbeleuchteten Zimmer die Antworten mit müdigkeitsverkrampften Fingern unter Dauergähnen in die Tasten zu hacken. Seht mir das also bitte nach.

Lieblingsschlafklamotte?
Seit Pubertät erfolgreich von viel zu heißen Pyjamas getrennt. Seitdem in Unterwäschekombi T-Shirt und Shorts.

Lieblingsbettwäsche?
Habe ich nicht. Wirklich. Was Bettwäsche angeht, bin ich pragmatisch-unkreativ. Gibt es da irgendwelche must-haves, die einen als zivilisierten Menschen auszeichnen? Bettwäschendesigner? Spezielle medizinisch entwickelte Schnitte? Lasst hören!

Lieblingsschlafposition?
Irgendwie auf dem Bauch liegend mit Gesicht im Kissen. Sauerstoffentzug soll ja den Einschlafprozess beschleunigen; störendes Licht bekommt man damit auch nicht so direkt ab. Der Versuch, auf dem Rücken einzuschlafen (angeblich ja gesund und entspannungsfördern), scheiterte an Verspannungen und Rückenschmerzen am nächsten Morgen.

Hast Du ein “Einschlafritual�?
Ritual? Lesen. Oder Hörbücher mit Stephen Fry. An sich feiere ich das aber nicht so sehr.

Hast Du ein Kuscheltier, Knuddelkissen o.ä.?
Nie gehabt. Wer will, darf mir aber jederzeit sowas hier spendieren.

Was machst Du, wenn Du nicht schlafen kannst?
Schlechte Laune bekommen, Laptop rauszerren und ziellos im Netz rumklicken. Dabei dann noch wacher werden und die Nacht als gescheitert abstempeln.

Wie groß ist Dein Bett?
140cm. Allein sehr angenehm, zu zweit noch erträglich.

Wie viele Kissen hast Du?
Zwei. Eines von diesen festen Flachen und ein Standardkissen.

Linke oder rechte Seite?
Aus Liegeperspektive oder hier vom Schreibtisch aus? Die neben der Nachttischlampe..

Wie lässt Du dich wecken?
Mein Handy spielt jetzt seit über einem Jahr einen Red Hot Chili Peppers Song, der, wenn er mir anderenorts begegnet, augenblicklich Aggressionen hervorruft. Dabei mochte ich den mal..

Stehst Du direkt auf oder bleibst Du liegen?
Eigentlich sollte ich ja schlau genug sein, um zu begreifen, dass es keinen Sinn hat, das Unvermeidliche weiter hinauszuzögern. Dennoch kennt man mich als den König der Snooze-Taste. Einen ziellosen Tagesplan vorausgesetzt, bin ich in der Lage ganze Vormittage im 5-Minuten-Takt äh wegzusnoozen.

Dein erster Gedanke am Morgen?
Uarrgh.

Was machst Du um wach zu werden?
PC einschalten; in’s Bad stürmen, bevor mir jemand zuvorkommt. Geduscht dann Kaffee zuführen und hoffen, dass die Monitorstrahlung den Rest erledigt.

Weitergereicht wird das Stöckchen an Anna, und wie immer an Julia.

Hallo Süddeutsche! – Die Angst der Tageszeitung vor dem Trackback

Mit großem Interesse las ich eben Deinen Artikel über deutsche Blogs. Und auch, wenn ich das Web 2.0 an den meisten Tagen ziemlich doof finde, frage ich mich doch, wie Du solche wirren Thesen verbreiten kannst.

Die digitalen Horden rotten sich zusammen..

Ein Schlachtfeld wird uns geschildert, zwei Fronten von Informationslieferanten setzen einander zu: Auf der einen Seite: Du, das herkömmliche Printmedium; auf der anderen: Die hippen jungen Leute mit Mösenbärtchen und Ringelpulli, die Dir aus Berliner Altbauwohnungen an die Gurgel wollen.

Aber zu befürchten ist nichts, das stellst Du klar – selbst der Spreeblick hat nicht die Einsicht, die man als Masseninformant benötigt, sonst hätte er ja nicht Julies Artikel verlinkt (die sich wahrscheinlich unglaublich ärgert, nicht namentlich genannt worden zu sein, sondern nur als Vehikel dient, zu zeigen, dass sich Spreeblick mit Trivialitäten aufhält, statt sich wirklich Mühe zu geben, die SZ zu vernichten. Sie sei deswegen nochmal ausdrücklich hier verlinkt).

.. stolpern aber über ihre eigene Semiprofessionalität ..

Im Klartext also eine recht paranoide Weltsicht, die Du da an den Tag legst. Mit der Prämisse, deutsche Blogs sehnten sich danach, die Rangstellung etablierter Medien einzunehmen, steht und fällt Dein ganzer Artikel. Das ist weder Natur des Weblogs, noch erkennt man diese Absicht irgendwo. Und sobald festgestellt ist, dass Du irrst, versinken auch Deine ganzen Änderungsvorschläge in Bedeutungslosigkeit. Ach nee, einer noch, denn der war zu köstlich:

“Deutsche Leser wollen spezialisierte Angebote zu ihren Lieblingsthemen anstatt eines weiteren Versuches, klassische Zeitungen zu imitieren. Aus der Gesamtheit dieser Spezial-Blogs könnte sich nicht zuletzt durch technische Verbindungsmöglichkeiten eine Gesamtheit der Blogs formen – und da wäre sie dann, die viel beschworene Gegenöffentlichkeit.”

Also jedem sein eigener “Spezialblock”, der dann andere Themenkreise verlinkt? Moment, das wäre ja fast wie .. Kategorien auf einer einzigen Seite! Dass dieser Vorschlag Quark ist, verstehst Du hoffentlich auch ohne weitere Ausführungen.

.. in friedliche Koexistenz.

Verbleiben wir einfach so: Wenn ich Heiteres über Finanzkatastrophen oder Herrn Ahmadinedschad lesen will, gehe ich weiterhin in die Küche und schlage Deine Printausgabe auf – will ich mich sinnvoll über urbane und virtuelle Subkulturen oder Technisches (Apropos: Kannst Du Dir bitte mal abgewöhnen, immer, wenn das Wort “Mp3-Player” fällt, zu behaupten, jedes dieser Dinger böte Platz für 20.000 Lieder?) informieren oder aufgeblasene Meinungen lesen, werfe ich meinen Feedreader an. Ich denke, das ist ein feiner Deal für uns beide. Und Herr Boie schreibt das nächste Mal bitte überlegter.

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